15. Monat
Was Ihr Kind schon sprechen kann
Ihr Kind beginnt nun seinen Wortschatz
aufzubauen. Nach Mama und/oder Papa tauchen weitere Wörter auf. Diese
Wörter müssen noch nicht vollständig oder fehlerfrei sein. Die
Bedeutung der Wörter ist auch nicht die gleiche wie die der
Erwachsenen. 'Ato' z.B. ist für das eine Kind nur der rote BMW des
Vaters, während ein anderes Kind damit alles bezeichnet, was mit Fahren
im weitesten Sinne zu tun hat, z.B. den eigenen Autokindersitz, den
Abschied des Vaters, der sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht,
oder auch den großen Bagger, der auf der Baustelle ein Loch aushebt.
Deshalb ist es auch kaum möglich festzustellen, welche Wortarten das
Kind erwirbt. Das Kinderwort 'tut-tut' kann die Fortbewegung des
Spielzeugautos meinen und wäre dann ein Verb (Tätigkeits-Wort), es kann
aber auch das Spielzeugauto selbst bezeichnen und wäre demnach ein
Nomen (Hauptwort).
Ihr Kind nutzt dieses ganze erste Halbjahr nach
dem ersten Geburtstag, um die neuen Wörter auszuprobieren, zu
verändern, ihre Bedeutung zu erweitern oder zu präzisieren. Es lernt
dadurch mehr über den Gebrauch von Wörtern. Es kann nämlich seine
Wörter als Frage verwenden, oder auffordern, kommentieren, beschreiben
oder selbst auf Fragen antworten. Die Wörter werden deshalb auch 'Ein-Wort-Sätze' genannt, weil sie wie Sätze gebraucht werden und im Zusammenhang viel mehr sagen, als nur den Namen eines Gegenstand.
Was Ihr Kind schon verstehen kann
Ihr Kind hat nun schon entdeckt, dass bestimmte Wörter oder Äußerungen mit bestimmten Abläufen oder Gegenständen verbunden sind. Es kann deshalb einfache Aufforderungen in den gewohnten Zusammenhängen befolgen. Wenn Sie z.B. sagen 'Komm wir gehen auf den Spielplatz. Hol mal deine Jacke!', dann reichen einige wenige Schlüsselwörter, um bei Ihrem Kind eine Vorstellung davon zu wecken, was jetzt wohl passieren wird. Ihr Kind wird sich so verhalten, dass es in den erwarteten Ablauf passt. Es läuft los und holt seine Jacke. Jedes Missverständnis bietet dabei die Chance, mehr zu lernen. Holt Ihr Kind nämlich statt der Jacke seine Schuhe, so werden Sie es mit einiger Wahrscheinlichkeit sprachlich korrigieren. Vermutlich werden Sie nicht kommentarlos die Jacke holen und Ihr Kind wortlos anziehen. Sondern Sie werden mit Ihrem Kind sprechen, z.B.: Ja, die Schuhe! Aber die Jacke brauchen wir auch. Wo ist die Jacke?) Das Wort, auf das es ankommt steht in herausgehobener Position, nämlich am betonten Ende, und taucht auch mehrmals auf. So bekommt Ihr Kind viele Gelegenheiten, die Wörter aus dem gesamten Ablauf herauszulösen. Schritt für Schritt werden die Wörter unabhängiger vom Ablauf.
Sprache lernen ... im Gespräch
Sie werden merken, dass sich Ihr Kind jetzt sehr dafür interessiert, was Sie zu sagen haben. Es erhebt sozusagen Anspruch auf Ihre Ansprache. Sehr häufig wird sein Blick Ihnen sagen, 'Und was sagst du dazu?', wenn es Ihnen etwas gibt. Oder es zeigt auf Gegenstände oder fordert Sie durch sein Lautieren zu einem sprachlichen Kommentar auf. Und auch wenn Ihnen das gar nicht bewusst ist, werden Sie in dieser Zeit alle Ihre Handlungen im Umgang mit dem Kind sprachlich begleiten. Da bei Ihrem Kind der Drang zur Nachahmung noch sehr groß ist (das gilt übrigens auch für alle nicht-sprachlichen Handlungen), ergeben sich viele Möglichkeiten, die Benennungen mehr als einmal zu wiederholen. (z.B. zeigt ein Kind auf das Messer auf dem Küchentisch und sagt: 'da!' Die Mutter könnte antworten: 'Ein Messer, nicht?' Kind: 'meffer', Mutter: 'Ja, ein Messer, aber das darfst du nicht haben, nein, nein. Kind: nein-nein, Mutter: 'Nein, nein, das darfst du nicht haben. Das macht aua! Kind: aua! ....die Fortsetzung ist leicht vorstellbar).
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie