Sprachförderung

Die Sprachentwicklung eines Kindes hängt maßgeblich davon ab, was seine Gene ihm mit auf den Weg geben. Für Eltern und Erzieher heißt das aber keinesfalls Ergebenheit, denn durch gezielte Förderung können die meisten Schwächen gut ausgeglichen werden. 

Liebe und Zuwendung

Kinder brauchen in erster Linie Liebe. Vertraute Menschen, die sich dem Kind liebevoll und intensiv zuwenden, legen den Grundstein für die Kommunikationsfreude des Kindes. Kommunikation ist die sprachliche Zuwendung zu einem anderen Menschen. Bevor jedoch das Bedürfnis entstehen kann, sich sprachlich an einen anderen Menschen zu wenden, muss ein Kind erfahren haben, dass Zuwendung etwas Positives ist. Nur so entsteht auch beim Kind das Bedürfnis sich der Welt zu öffnen. Vernachlässigung führt nicht nur zu körperlicher Verwahrlosung, wie wir es in den Medien täglich zu sehen bekommen, mangelnde Zuwendung kann auch dazu führen, dass die Kinder verstummen.

Sprachbedürfnis wecken

Ein Kind, das erfahren hat, dass miteinander reden Vorteile bringt, bemüht sich besonders, sich sprachlich auszudrücken. Wer also schon beim kleinsten, fordernden „ä“ des Kindes, sofort dessen Wunsch erfüllt, tut dem Kind keinen Gefallen. Es ist wesentlich weniger anstrengend auf die Flasche zu zeigen und „ä“ zu sagen, als sich zu bemühen „trinken“ zu sagen. Natürlich sollen Sie keinesfalls dem Kind das Trinken vorenthalten bis zu dem Zeitpunkt an dem es den Wunsch korrekt benennen kann. Aber es gibt Kinder, die gewohnt sind, dass ihnen alle Wünsche im wahrsten Sinne des Wortes von den Augen abgelesen werden. Diese Kinder sprechen manchmal  lange Zeit gar nicht, sondern drücken ihre Bedürfnisse nonverbal aus. Spätestens mit 1,5 Jahren sollten Kinder jedoch anfangen Dinge zu benennen.  

Oft kommen Eltern in meine Praxis, die darüber klagen, dass ihr Kind von sich aus so wenig erzählt. Fragt man es zum Beispiel, wie es im Kindergarten war, antwortet es einsilbig mit „schön“ oder „gut“. Man muss ihm förmlich alles aus der Nase ziehen. Frage ich die Eltern dann aber, ob sie dem Kind denn auch selbst etwas aus ihrem Alltag erzählen, sind diese äußerst erstaunt. Oft höre ich dann „damit möchte ich mein Kind nicht belasten“ oder „das versteht mein Kind doch nicht“. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Erzählen Sie dem Kind doch einmal, wenn Sie sich über den Chef, oder eine Arbeitskollegin geärgert haben. Sie werden erstaunt darüber sein, wie gern und mit wie viel Anteilnahme es Ihnen zuhören wird. Kinder empfinden es als große Erleichterung, dass bei den Erwachsenen auch nicht immer alle glatt läuft. Es erfüllt sie mit stolz, wenn sie den Erwachsenen auch einmal einen Rat geben können. Zudem werden Sie sehen, wenn Sie sich dem Kind gegenüber öffnen und ihm von Ihrem Alltag erzählen, wird das Kind sehr rasch ein großes Redebedürfnis entwickeln.

Nun gibt es aber auch den umgekehrten Fall, Eltern berichten auch, dass ihre Sprösslinge so viel erzählen, dass sie selbst kaum noch zu Wort kommen, aber auch das Zuhören muss ein Kind lernen. Reden und Zuhören sind die beiden Seiten der Gesprächsführung und nur wer beides kann wird später sprachlich überzeugen.

Sprachliches Vorbild sein

Kinder lernen durch Nachahmung. Ideal kann sich die Sprache eines Kindes entwickeln, wenn das Kind  gute sprachliche Vorbilder hat. Dabei ist es keinesfalls notwendig Hochdeutsch zu sprechen. Im Gegenteil. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die sowohl einen Dialekt, als auch Hochdeutsch beherrschen, ähnliche Vorteile haben, wie zweisprachig erzogene Kinder. Ein gutes Sprachvorbild zu sein, bedeutet sich sprachlich gut auf einen Gesprächspartner einstellen zu können. Also im Umgang mit dem Kind so zu sprechen, dass es den Inhalt gut verstehen kann. Ein hohes Sprechtempo, eine nuschelige Aussprache, Schachtelsätze und unnötige Fremdworte sollte man daher im Gespräch mit dem Kind vermeiden. Ein Sprachvorbild kennt zudem die elementarsten Kommunikationsregeln. Dazu gehör das Zuhören und das Aussprechenlassen.

Den Alltag sprachlich begleiten

Kinder lernen Worte am schnellsten, wenn sie einen Alltagsbezug zu ihnen herstellen können. Dazu ist es sehr hilfreich, Alltagshandlungen ganz intensiv, aber auf natürliche Weise, sprachlich zu begleiten und das Kind in diese Tätigkeiten mit einzubeziehen. Möglichkeiten dazu bieten sich täglich unzählige. Beispiel: „Komm Hanna, hilf mir doch bitte beim Tischdecken. Wir brauchen 4 Teller. Schau, in diesem Schrank sind die Teller. Hier hast du einen Teller für den Papa, einen Teller für die Mama, diesen Teller für dich und den letzten Teller für die Oma. Stellst du bitte die Teller auf den Tisch? Jetzt brauchen wir noch Besteck. Das Besteck ist hier in der Schublade….“

Hanna hat das Wort Teller nun 7x gehört. Sie weiß wo die Teller sind, für was man sie braucht und wie sie sich anfühlen. Sollte einer herunter fallen, kann sie sich das Wort noch besser merken, denn nun weiß sie auch, dass Teller zerbrechlich sind. Wenn Hanna auf diese Weise häufig beim Tischdecken hilft, hat sie die Begriffe nach kurzer Zeit dauerhaft im Gedächtnis gespeichert.

Sprachförderung in der Familie

  • Zeigen Sie dem Kind, dass Sprechen Spaß macht
  • Singen und Spielen Sie mit dem Kind
  • Fördern Sie die Sprache, aber fordern Sie sie nicht
  • Zeigen Sie dem Kind, dass Sprechen Vorteile bringt
  • Erzählen Sie dem Kind von Ihren Erlebnissen
  • Seien Sie ein gutes sprachliches Vorbild
  • Begleiten Sie Ihren Alltag sprachlich
  • Hören Sie Ihrem Kind gut zu
  • Sprechen Sie mit dem Kind darüber, wie wichtig miteinander reden ist
  • Schaffen Sie Zeit für Gespräche
  • Korrigieren Sie nicht, sondern bestätigen Sie richtig
  • Sprechen Sie in einer dem Alter des Kindes entsprechenden Art
  • Sprechen Sie liebevoll, ruhig und deutlich
  • Strukturieren Sie Ihren Familienalltag
  • Planen Sie Rituale ein
  • Fördern Sie die Selbständigkeit des Kindes
  • Versuchen Sie sich für jedes Kind ausreichend Zeit zu nehmen
  • Bieten Sie dem Kind Möglichkeiten mit anderen Kindern zu spielen
  • Laden Sie andere Kinder zu sich ein
  • Gehen Sie mit Medien verantwortungsvoll um
  • Schaffen Sie bewusst Medienfreie Zeiten